StartArtikelDanke für eine tolle Session 2015/16

Danke für eine tolle Session 2015/16

Heiße Rhythmen und heiße Maschinen: Kaum rollt die Rockerbande auf ihren frisierten Feuerstühlen in den Saal, nimmt die Karnevalsgala an Fahrt auf. Die fünf Typen in Lederklamotten, mit langen Haaren und Sonnenbrille lassen nichts anbrennen. Ihre Arme sind dicht tätowiert, auf den Zottelmähnen sitzen Tücher und der Blick schweift souverän in die Runde. Kaum schwingen die Kerle ihre Hüften zu den eingängigen Klängen aus den Boxen, liegt das Publikum ihnen zu Füßen.

Beim Wittstocker Carneval Club (WCC) steht die Welt in diesem Jahr Kopf. Denn die Narren ziehen in ihrer 28. Saison mit diesem Motto durch die fünfte Jahreszeit: „Carneval heißt janz salopp: Wir stelln allet uff’n Kopp.“ Beim Galaabend am Sonnabend in der Stadthalle in Wittstock kommen die Jecken auf ihre Kosten. Schon tönt der Zeremonienmeister Lutz durch das Mikrofon: „Unser Motto haben wir uns nicht vom Karneval in Köln abgeguckt, denn wir waren schneller – seit letztem Frühjahr steht das schon fest.“

Derweil stehen die Fünkchen, Funken und die Blaue Garde in den Startlöchern. Und dann wirbeln sie über die Tanzfläche, denn der Gardemarsch ist ein Muss für die Karnevalisten. Auch das Prinzenpaar – Madlen I. und Jens I. – ist mit von der Partie. Die beiden nehmen oben auf der Bühne Platz und genießen den Abend. „Ich habe mich gar nicht darauf vorbereitet, es kommt, wie es kommt“, sagt die blaublütige Madlen I.

So ein Prinzenpaar hat der Wittstocker Karneval noch nicht gesehen: Nur in der fünften Jahreszeit gehen sie Hand in Hand. Unten im Saal sitzt die Gemahlin von Jens I. Sie hatte keine Lust auf Prinzenpaar, aber verfolgt das Treiben aus sicherem Abstand. „Wenn wir im kommenden Jahr noch einmal die Chance zum Prinzenpaar bekommen sollten, machen wir das gerne“, so Madlen I. Dann nimmt Prinz Jens das Zepter in die Hand und kommt endlich zu Wort. Er schwingt seine Rede und lädt das Publikum zu Tanz, Frohsinn und einem Trinkgelage ein. Madlen bleibt die Rolle der Statistin. Sie hält das Buch ihrem Liebsten unter die Nase und er liest allein vor.

Das Gesangsquartett „Emma“ nimmt das Fernsehprogramm auf die Schippe und säuselt in den höchsten Tönen von der bequemen Shoppingtour auf der Mattscheibe. Hinter „Emma“ stecken die Karnevalisten Egbert, Marina, Micha und Antje. Sie preisen das stromlose Bügeleisen an, das nur über die Luftenergie gespeist wird. „Das macht alle Hügel platt“, sagt Egbert. Derweil streicht Micha mit dem Bügeleisen über den gut geformten Körper von Marina. Doch alle Rundungen und Kurven halten dem Wundereisen stand. „Ich muss es haben, das gibt’s in keinem Laden“, singt „Emma“ immer wieder und wartet auf Kundschaft.

Die Hymne des WCC darf auch nicht fehlen. „Lasst uns mal probieren, auch einmal regieren. Heute ist alles egal, wir feiern Karneval“, so lautet seit 1988 der Re­frain. Beim Blick in die Stadthalle muss den Jecken und Karnevalisten wirklich alles egal sein – viele Plätze und Tische bleiben leer am Abend. „Bis vor vier Jahren haben wir die gesamte Stadthalle für den Karnevalsabend genutzt und da war es auch noch voll“, sagt WCC-Präsident Egbert Schröder. Doch die Fans laufen ihnen davon. Bereits zum dritten Mal wird der Galabend in der abgespeckten Stadthallenvariante gefeiert – selbst die halbe Halle ist noch viel zu groß zum Feiern. „Wir ziehen trotzdem unser Programm durch und lassen uns nicht die gute Laune verderben“, gibt Präsident Schröder die Parole vor. Auch der Zeremonienmeister Lutz tönt: „Wir lassen es richtig krachen.“

Von Christamaria Ruch

 

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